Ich bleibe – OSTERGEDANKEN

In der Oster-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung fand ich im Feuilleton einen interessanten Artikel von Birthe Mühlhoff „Ich bleibe“ – Sieben Gründe, warum ich die katholische Kirche auch jetzt nicht verlasse.
Was mir dabei aufgefallen ist, habe ich hier festgehalten:
1. Ort des Gebets
Ich lebe in dem Bewusstsein, dass in jedem Augenblick irgendwo auf der Welt jemand das gleiche Gebet spricht wie ich, und es einen Ort gibt, an dem ich willkommen wäre.
2. Geschlechterfrage – Verbindung zur Vergangenheit
Die katholische Kirche macht nach wie vor einen gewaltigen Unterschied zwischen Frauen und Männern. … Vielleicht klängen gewisse Verlautbarungen der kath. Kirche anders, wären Frauen besser eingebunden.
Ich erkenne Bilder aus den ältesten Erzählungen der Menschheit. Diese Erzählungen, Mythen, Sagen werden in der Kirche als tiefe Vergangenheit in einer lebendigen Verbindung aufrecht erhalten. Sie besteht daraus.
3. Menschen im Kontext Kirche
Wie dankbar war ich, irgendwo anrufen zu können, und jemand sagt, für ein Glaubensgespräch könne ich einfach vorbeikommen. Ich kann eben nicht alleine Christ sein!
4. Kirche – kein Unternehmen
Für die Fortexistenz der Kirche als Glaubensgemeinschaft reichen zwei oder drei Menschen aus, und Kirche findet statt (Matthäus-Evangelium 18, 20).
Die Kirche ist eine geistige Gemeinschaft, kein Unternehmen.
5. Kirche – reformresistent?
Dass die Welt sich – technologisch, gesellschaftlich, klimatisch – momentan rasant verändert, kann niemand ernsthaft bestreiten. Will ich überhaupt, dass die Kirche mit dem aberwitzigen Tempo dieser Entwicklung Schritt hält? Kirche war nie zeitgemäß.
6. Kirche – lebendiger Austausch
Sie ist ein lebendiger Austausch mit der Vergangenheit … Kirche bewahrt.
Ich kann auch noch von Menschen etwas lernen, die vor mehr als tausend Jahren gelebt haben. Ein Buch über sie kann man natürlich alleine lesen, dafür braucht man die Kirche nicht. Aber zum Glück ist die Kirche ein lebendiger Austausch von lebendigen Menschen.
7. Kirche – Quelle der Verunsicherung?
Der Glaube ist für mich kein Ort, um „Kraft zu tanken“, sondern eher eine unablässige Quelle der Verunsicherung … Glauben heißt eben nicht, frei von Zweifeln zu sein.
Aus ihr können Dinge entstehen, für deren altmodische Namen wie Demut und Nächstenliebe es bisher noch keinen Ersatz gibt.
Warum also nicht in der Kirche bleiben?