Ein „Tagebuch der Dankbarkeit“ habe ich in den vergangenen Jahren geschrieben. – Auf der Tagebuchseite könnt ihr mitlesen …
Im letzten Jahr waren es Gedanken 2018, die mich begleiten.

Eine jüdische Lebensweisheit lautet: Wenn der Mensch geboren wird, hat er die Hände zusammengeballt, als wollte er sagen: „Ich erobere die Welt.“
Wenn einer stirbt, sind seine Hände ausgestreckt, als wolle er sagen: „Ich habe nichts zurückbehalten, alles gehört dir, o Gott.“

Älter werden (und sterben), das heißt auch: vom Festhalten zum Loslassen kommen, aufgeben müssen, immer weniger besitzen können.


Wege

Ich denke an den Weg,
der hinter mir liegt: heute,

in den vergangenen Tagen,
im vergangenen Jahr –
Schönes und Schweres,
Licht und Schatten.
Du, Gott, warst dabei.

Danke!

Ich denke an den Weg,
der vor mir liegt, heute,

in den nächsten Tagen,
im nächsten Jahr.
Wer weiß, was kommt,
was mich erwartet?!

Du, Gott, geh mit!
Ich bitte dich.

Segne mich.
Begleite mich.
Behüte mich. Amen


Die Hoffnung kann lesen

Der Theologe Fulbert Steffensky hat mehrere Aufsätze zum Thema Hoffnung geschrieben. Zwei Sätze haben mich besonders angesprochen:

Hoffen heißt darauf vertrauen, dass es sinnvoll ist, was wir tun.
Hoffnung ist der Widerstand gegen Resignation, Mutlosigkeit und Zynismus.

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke, 21.9.1902, Paris


Bei den Sankt-Georgs-Pfadfinder, denen ich mich 1994-1996 und jetzt wieder angeschlossen habe,
wurde ich mit einem schönen Pfadfindergebet fündig:

Herr Jesus Christus!
Du hast gesagt: „Seid bereit!“
Dieses Wort ist mein Wahlspruch.

„Allzeit bereit“ will ich sein
und nach Deinem Beispiel handeln:
wahr im Reden,
verlässlich im Tun.

In Deiner Kirche ist meine Heimat,
sie lässt uns geschwisterlich
in dieser Welt leben:
bereit zum Verzeihen,
selbstlos im Helfen,
geduldig, wenn es schwierig wird.

Zeige mir meinen Weg
und begleite mich auf dem Pfad,
der zum Leben führt.

Dir will ich folgen und mein Bestes tun.
Hilf mir dazu und segne mich.
Amen.


Ein Gebet vom früheren UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld begleitete mich bei den diesjährigen Exerzitien im Alltag:

Hier bin ich Gott, vor dir, so wie ich bin –
mit meiner Sehnsucht, meiner
Hoffnung, meiner Freude,
meinem Ärger, meiner Müdigkeit …
Hilf mir zu sehen,
was du mir jetzt zeigen möchtest,
zu hören,
was du mir jetzt sagen möchtest,
zu spüren,
dass du mit mir gehst
und bei mir bleibst.
So bin ich jetzt vor dir.


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